Die Ursachen der RechenschwächeEine Rechenschwäche wird nicht von einer einzigen Ursache bedingt. Vielmehr handelt es sich um ein Ursachengeflecht, das individuell sehr unterschiedlich sein kann. Diese Ursachen lassen sich grob in drei Bedingungsfelder unterteilen: • Neuropsychologische Ursachen (genetisch bedingt oder frühkindlich erworben): Rechnen ist ein hochkomplexes Zusammenspiel von verschiedensten Gehirnregionen, woraus sich unterschiedlichste Stolperstellen ergeben können. Darunter fallen z.B. feinmotorische Koordinationsstörungen, Störungen der taktilen, visuellen oder akustischen Wahrnehmungsverarbeitung, Speicherschwierigkeiten im Kurz- und/oder Langzeitgedächtnis, AD(H)S, sprachliche Kodierungsschwierigkeiten (kann sich z.B. das Kind unter „dreizehn“ etwas vorstellen). • Soziokulturelle und familiäre Bedingungen: z.B. Beziehungsprobleme (Eltern-Kind, Kind-Lehrer/-in); psychische Belastungen in der Familie; Schulangstproblematik; mangelnde Leistungsmotivation; sprachliche Schwierigkeiten (die mathematische Sprache ist sehr knapp und präzise, es werden viele nicht alltägliche Begriffe z.B. Fläche, Menge, Produkt usw. verwendet); mangelnde Alltagserfahrungen • Schulische und sonstige Ursachen: z.B. häufiger Lehrerwechsel in den ersten Grundschulklassen / Wechsel von Unterrichtsstilen; Drillrechnen ohne Aufbau von Zahlverständnis; Verbindliches Vorschreiben von Denkwegen für alle Schüler; verfrühte Behandlung abstrakter Darstellungen; zu wenig Zeit und Gelegenheit zu handelndem Umgang mit Mathematik; zu frühes blindes Automatisieren; Vorkenntnislücken; Begabungsdefizite; ordinale Denkweise (d.h. die Zahlen werden als Nummern gesehen wie die Hausnummern an einer Straße, die kardinale Sichtweise findet keine Beachtung, d.h. der mengenmäßige Aufbau von Zahlen ist unklar)
Die angeführten Ursachen sind als Risikofaktoren anzusehen und führen in der Regel erst durch das ungünstige Zusammenwirken mehrerer Faktoren zu einer RS. Zunehmende Misserfolge im Rechnen erzeugen beim Kind ein Gefühl des Versagens und es entsteht ein psychisches Ungleichgewicht. Da Rechnen aber ein komplexer Vorgang ist, für dessen ungestörten Ablauf Mut, Selbstvertrauen und eine gewisse Risikobereitschaft Voraussetzungen sind, misstraut das Kind seinem eigenen Denken mehr und mehr und verstärkt damit die Ausbildung einer RS. Deshalb sind sehr anstrengende und aufreibende Übungen am Nachmittag zweifelhaft, da sie weitere Misserfolge produzieren und das Kind und seine Eltern immer tiefer in einen Teufelskreis Lernstörung hineinziehen.
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